Ein Sinfonieorchester im Eiltempo durch Asien

Das Musikkollegium Winterthur, das älteste und eines der besten Sinfonieorchester der Schweiz, ist gerade aus einer Konzertreise in Südkorea und Japan zurückgekehrt. Eine solche Orchestertournée zu planen ist nicht nur eine organisatorische Challenge, sondern fordert auch die Musiker zu Höchstleistungen heraus – trotz Jetlag und Müdigkeit. Die kostbaren Musikinstrumente wurden in speziellen Container nach Asien und zurück geflogen. Für die Zollabfertigung hat die HAW hierfür ein ATA-Carnet ausgestellt.

Töne kommen und gehen, Musikwerke sind Klangreisen, und dass die Menschen zum Musikhören irgendwo hin gehen, ist ein jüngeres Phänomen. Älter ist die Tatsache, dass die Spielleute herumzogen und ihr Publikum suchten. In den Orchestern der Welt spielen auch heute zumeist Musiker aus vielen Ländern, im Musikkollegium Winterthur ist das nicht anders, und selbstverständlich lebt auch in diesem Klangkörper ein Geist der musikalischen Wanderschaft.

«Wanderschaft» klingt für den vorliegenden Fall allerdings zu poetisch. Der Flug verschlang förmlich die Zeit. Nach dem Start am Sonntag um 15 Uhr und der dreizehnstündigen Flugreise war in Seoul schon Montagmittag und die Reise noch nicht zu Ende. Fünf Stunden Carfahrt folgten bis zum ersten Konzertort, der südkoreanischen Grossstadt Daegu. Schon kurz nach Mittag ging es am Dienstag zur Probe in den Konzertsaal: Erstes Zusammentreffen mit dem Solisten des Konzerts, dem Klarinettisten Andreas Ottensamer, der bei den Berliner Philharmonikern die Solo-Klarinette spielt. Am Abend das erste Konzert. Am Tag danach das zweite in Tokio, am Donnerstag das dritte in Osaka.

Mit hohem Tempo

Shinkansen, der Hochgeschwindigkeitszug, der die 500 Kilometer von Tokio nach Osaka in 2 Stunden 20 Minuten zurücklegt, könnte als Symbol für das Reiseprogramm gelten, das bereits am Freitag mit dem Rückflug zu Ende ging. Für Erholung oder Sightseeing blieb da kaum Zeit, und zusammenfassend ist nach diesen Tagen festzustellen: Eine Konzerttournee wie diese ist eine «Geschäftsreise». Alles war fokussiert auf die wenigen Stunden, auf die es ankam, auf die drei Auftritte in den grossen und grossartigen Sälen, vor einem aufmerksamen Publikum, das sich internationale Begegnungen gewöhnt ist und das man gewinnen musste.

Die Sorge um die Bestform für das Konzert war ein dominierendes Thema im Gespräch mit den Musikern, wenn man sie auf die strapaziöse Reise ansprach. Manche bedauerten auch, dass keine Zeit zur Verfügung stand, um sich am Ort mehr umzusehen, aber niemand schien darob missstimmig zu werden. Die Freude am Spielen und über den riesigen Publikumserfolg war offensichtlich stärker.

Schliesslich sind alle wohlbehalten wieder zu Hause angekommen, die kostbaren Musikinstrumente vollzählig und unversehrt aus ihrem Container befreit worden und die provisorische Einfuhr und Wiederausfuhr in Südkorea, Japan und der Schweiz gingen mit dem ATA-Carnet problemlos über die Bühne. In Erinnerung bleiben Begeisterung, stürmischer Applaus, die lange Schlange am Künstlerausgang der Gratulanten und Autogrammjäger. Mancher und manche im Orchester träumen bereits vom Dacapo.

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