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KI als Game-Changer für die Produktion? Vom Hype zur harten Realität auf dem Shopfloor

Geschrieben von HAW Redaktion | 17.09.26, 08:51

Künstliche Intelligenz ist längst aus der reinen Tech-Blase herausgewachsen. Während smarte Chatbots im Alltag für Staunen sorgen, findet die eigentlich entscheidende Entwicklung mitten in den Fabrikhallen statt. Genau dieser Frage widmete sich der jüngste Anlass unserer HAW Cluster-Initiative «Smart Machines» am 7. Juli 2026: Wie wird KI von einer abstrakten Idee zu einem verlässlichen Helfer im täglichen Schichtbetrieb?

Bildquelle: KI

Gastgeberin war die traditionsreiche Burckhardt Compression AG in Winterthur, weltweit führender Spezialist für Kolbenkompressoren. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Forschung, IT und Robotik erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in moderne Fertigungshallen, datenbasierte Fabrikprozesse und zukunftsweisende Technologien.

Burckhardt Compression – Schluss mit Zettelwirtschaft und Maschinenausfällen:
Bei einem Rundgang durch die Produktionshallen zeigte der Gastgeber, wie moderne Grossfertigung heute funktioniert. Statt dicker Papiermappen erhalten die Mitarbeitenden alle Arbeitsaufträge und Prüfschritte direkt digital am Bildschirm. Wichtige Bauteile werden mit einem gelaserten Code versehen, der wie ein «digitaler Pass» die Herkunft und Fertigungsschritte lückenlos nachvollziehbar macht. Zudem überwacht Burckhardt weltweit über 2'400 Maschinen im Feld: Smarte Sensoren erkennen Erschütterungen und Abweichungen frühzeitig, wodurch bis zu 90 % mechanischer Pannen abgewendet werden können, bevor die Anlage stillsteht.

ZHAW Centre for AI – Maschinen bringen sich das Optimieren selbst bei:
Prof. Dr. Alisa Rupenyan erklärte, wie KI mit typischen Fabrikhürden wie wechselnden Rohmaterialien, Erwärmung oder Verschleiss umgeht. Anhand von Projekten – unter anderem mit Rieter und Siemens – zeigte sie clevere Rechenwege: Statt tagelang Einstellungen von Hand durchzutesten, probieren Programme neue Abläufe erst gefahrlos an einem «digitalen Zwilling» am Computer aus. Eine Spinnmaschine fand so in wenigen Schritten selbst heraus, mit welchem Tempo sie am besten arbeitet. Entscheidend dabei: Ein System lernt nur dann nachhaltig, wenn es im Training auch echte Fehler und Störungen gesehen hat und nicht nur den Idealzustand.

Alpamayo – Ohne Ordnung bei den Daten nützt die beste Software nichts:
«Einfach KI-Programme einzukaufen, ist noch keine Strategie», betonte Christoph Netsch. In vielen Betrieben herrscht ein Bruch: Das kaufmännische Bürosystem versteht sich nicht mit den Steuerungen der älteren Maschinen in der Werkstatt. Ausserdem steckt das wertvollste Erfahrungswissen oft nur in den Köpfen der Schichtmitarbeitenden. Führt man Maschinen- und Bürodaten mit diesem Praxiswissen sauber zusammen, lohnt sich das rasch: Bei Kundenprojekten sanken ungeplante Stillstände um 25 %, Arbeitszyklen wurden um 45 % verkürzt und Ursachenanalysen dauerten nur noch wenige Minuten statt eines ganzen Arbeitstags.

Binabik AI – Flexible Roboter als Helfer für KMU:
Pascal Sager stellte mobile Roboter vor, die speziell auf Betriebe mit vielen Produktvarianten und kleinen Stückzahlen zugeschnitten sind. Weil über 40 % der Firmen kaum noch Personal für monotone Schichtarbeiten finden, braucht es einfache Lösungen ohne Millionenumbauten. Die Roboter auf Rädern nutzen vorhandene Wege, Türen und Arbeitstische wie ein Mensch. Statt monatelang Codes zu schreiben, macht ein Mitarbeiter dem Roboter den Handgriff wenige Male vor. Das System speichert die Bewegung, arbeitet verlässlich im Hintergrund und behält alle sensiblen Betriebsdaten sicher im eigenen Werk.

Das Fazit: Pragmatismus schlägt Hype
Die Veranstaltung bei der Burckhardt Compression AG hat verdeutlicht: KI auf dem Shopfloor ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern gelebte Praxis. Der Erfolg hängt jedoch weder an teuren Einzeltools noch an blindem Aktionismus.

Wer handfeste Vorteile erzielen will, braucht drei Dinge:

  • Eine verlässliche Datenverbindung von der Werkbank bis in die Bürosysteme,
  • Den aktiven Einbezug des Personals und seiner jahrelangen Erfahrung, sowie
  • Einfache, modulare Werkzeuge, die genau dort unterstützen, wo heute wertvolle Arbeitszeit verloren geht.

Wir bedanken uns herzlich bei der Burckhardt Compression AG für die hervorragende Gastfreundschaft und die spannende Werksführung, bei allen Referierenden für die klaren Einblicke und bei den Teilnehmenden für den lebhaften Austausch!