140 Jahre Kübler Heizöl AG

21.05.18 12:58

Die Firma Kübler Heizöl AG blickt auf eine 140-jährige Firmengeschichte zurück. Nach vier Generationen Erfahrung im Import und Vertrieb von Brennstoffen entstand eine Firmenchronik. Heinz Kübler, Geschäftsführer in der vierten Generation, erklärt im Interview die Kübler'schen «Windmühlen» und wieso ein definitives Pensionierungsdatum wichtig ist.

Kübler 3-Generationen

Sie dürfen auf eine langjährige Geschichte im Familienunternehmen Kübler zurückschauen. Was hat Sie dazu bewegt, sich gerade zum 140. Geburtstag eine Chronik zu schenken?

Das ist relativ einfach. Ich bin jetzt 57 und beim 150-Jahr-Jubiläum 67. Die Idee ist, dass ich dann nicht mehr operativ tätig bin. Ausserdem lebt meine Mutter (89) noch und sie konnte viele Erinnerungen beisteuern. Mein Vater hat leider nie etwas aufgeschrieben, obwohl ich ihn immer wieder dazu ermuntert habe. Er erzählte damals so viele Anekdoten und Geschichten von der Nachkriegszeit, aber die sind jetzt leider alle weg.

Welche Wirkung hat die Chronik gegen innen erzeugt und welche Rückmeldungen haben Sie von ausserhalb erhalten?
Wir bekamen tolle Feedbacks. Die Mitarbeitenden schätzen die Chronik sehr und auch in ihrem Umfeld gab es positive Rückmeldungen. Ich war zudem sehr überrascht, dass die Chronik überhaupt über den Buchhandel gekauft wird. Wir wurden dafür gelobt, dass wir unsere Geschichte sehr offen erzählen und auch Rückschläge sowie negative Ereignisse darlegen. Wir fanden es extrem wichtig, dies auch niederzuschreiben, denn es gehört schliesslich zu einer Firmenchronik.

Die Firma Kübler importierte Kohle für Industrie und Bahn und lieferte später Heizöl sowie flüssige Brenn- und Treibstoffe. Heute verkauft Kübler auch Holzpellets, führt eine solarbetriebene Autowaschanlage und fährt mit Biodiesel. Inwiefern prägten ökologischen Trends die unternehmerische Entwicklung?
Mein Vater hatte sich schon früh für die Bahn als Transportmittel entschieden, einerseits, weil Öl ein Gefahrgut war, andererseits wollte er die Verkehrswege kurz halten und Kosten sparen. Das ist auch heute noch meine Idee: Man soll das Neue mit dem Alten dort kombinieren, wo es Sinn ergibt. Biodiesel ist so etwas. Man muss zwar die Lastwagen umbauen, aber man zahlt dafür weniger Mineralölsteuern und verbraucht keine endlichen Ressourcen, das ist sinnvoll. Der ökologische Trend soll aufgenommen und dort, wo es geht, umgesetzt werden.

«Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.» Diese chinesische Weisheit bildet den Abschluss der Firmenchronik. Welches waren im Verlauf der Familiengeschichte die Kübler’schen Windmühlen?
1956 gab es einen Ölunfall am Riedbach, als einer der ersten Öltanks auslief. Darauf verlagerten wir unser Tanklager nach Seen. 60 Jahre später lag es aber mitten in der Wohnzone und wir mussten uns wieder neu umorientieren. Der Rückbau des Tanklagers und die Errichtung des Etzbergparks an dessen Stelle waren solche «Windmühlen» und gleichzeitig eine Chance, die wir nutzen konnten. Es muss also nicht zwingend schlecht sein, wenn Negatives geschieht, denn man kann immer wieder etwas Positives daraus machen.

Die Nachfolge für die Firma Kübler stand für Ihren Vater damals sehr klar fest. Sie selbst wollten aber eigentlich gar nicht ins Geschäft eintreten. Sehen Sie in Ihren beiden Junioren potenzielle Nachfolger?
Damals sah das Ölgeschäft nicht sehr rosig aus, das war auch meinem Vater bewusst. Ich bin dann trotzdem ins Geschäft eingestiegen in der Meinung, dass es relativ schnell eine Nachfolgelösung gäbe. Als ich mit 30 Jahren eintrat, wurde mein Vater 70 Jahre alt – und er blieb noch 17 weitere Jahre im Geschäft tätig. Ich hätte mit ihm auf jeden Fall ein definitives Pensionierungsdatum vereinbaren sollen. Heute haben wir zwei Söhne, die beide Interesse haben. Ihre Charaktere sind sehr verschieden und sie müssen sich zuerst selbst noch etwas finden. Als «Übergeber» einer Firma kann man unheimlich viel steuern, um Streit zu vermeiden. Wichtig ist, dass man auch den Willen hat, zum gegebenen Zeitpunkt loszulassen. In welcher Form und wie schnell ich das dann wirklich kann, weiss ich noch nicht. Aber ich möchte auf jeden Fall nicht bis ins hohe Alter der nächsten Generation «reinreden». Sie wird vieles anders und auch Fehler machen. Bei einer Geschäftsübergabe ist es wichtig, nur die Fehler zuzulassen, die man verkraften kann. Mit dem «Plan 60/60» möchte ich erreichen, dass ich mein Arbeitspensum mit 60 Jahren auf 60 Prozent reduziere. So können unsere Söhne in einem idealen Alter einsteigen.

Die Chronik "Kübler - 140 Jahre 1877 bis 2017" ist im Buchhandel erhältlich.
Gebundene Ausgabe mit Leineneinband, 108 Seiten
ISBN 978-3-905989-67-0

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