Rechtsanwalt goes Digital

29.08.18 08:30

Die Digitalisierung macht vor keiner Branche halt. Rechtsanwalt Dr. Christoph D. Studer schildert seine Erfahrungen mit seinem Blog www.organhaftung-schweiz.ch. Trotz anfänglicher Skepsis hat er sich vor 2 Jahren für die Lancierung entschieden. Nach einer langen aber erwarteten Durststrecke verzeichnet der Blog bzw. die Webseite mittlerweile 1500 Besucher pro Monat. Neben regelmässigen Anfragen ermöglicht dies auch einen prominenten Medienauftritt.  

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Ein Trend der heutigen Gesellschaft ist, dass sich die Tätigkeiten in allen Branchen und Bereichen immer mehr zu spezialisieren scheinen. Dieser Trend macht auch bei den Rechtsanwälten nicht halt. Zu meinen Spezialgebieten gehört die Betreuung von KMU sowie Unternehmer. Zudem berate und vertrete ich Verwaltungsräte, Geschäftsführungsmitglieder, Stiftungsräte etc. in sogenannten Verantwortlichkeitsfällen (Organhaftung).

Obwohl die zivilrechtliche Haftung oder Verantwortlichkeit in den Medien gerade wieder im Zusammenhang mit Raiffeisen oder Post immer wieder aufgegriffen wird, handelt es sich dabei um eine Nischentätigkeit. Es gibt in diesem Bereich verhältnismässig wenige Fälle oder Prozesse.

Entsprechend wichtig ist es für mich, dass ich für Personen, die sich neu mit der Verantwortlichkeit befassen (müssen), auffindbar bin. Das Internet ist heute die Hauptanlaufstelle für Abklärungen. Es lag deshalb auf der Hand, einen Weg zu suchen, sich dort besser zu positionieren.

In Gesprächen mit verschiedenen internet-affinen Personen habe ich Möglichkeiten ausgelotet, um meine Sichtbarkeit im Internet zu erhöhen. Zur Diskussion standen insbesondere eine spezialisierte Webseite, Anzeigen, insbesondere Google AdWords, oder Blogs. Wichtig war, dass ich in einer organischen Suche auf Google weit oben auftauche, da Suchende erfahrungsgemäss oft nur die obersten Suchresultate anschauen.

Auch meine Partner hatten natürlich gewisse Vorstellungen, wie ich bzw. die Kanzlei auftreten soll. Obwohl die Methode effizient sein soll, konnten wir uns nicht zu Anzeigen durchringen. Wir hatten den Eindruck, dass dies nicht zu unserer Vorstellung vom Auftritt eines Rechtsanwalts passt.

Schliesslich wurde ich davon überzeugt, dass eine Webseite mit einem Blog die besten Chancen hat, sich bei Google durchzusetzen.

Stellen Sie sich vor, welche Überwindung es mich als Rechtsanwalt kostete, sich zu einem solchen Blog durchzuringen. Immerhin ist unser Berufsstand doch dafür bekannt, dass wir alles differenzieren, was meiner Vorstellung von bloggen diametral widersprach. Dennoch habe ich das Experiment gewagt.

Ich wurde von Anfang an "gewarnt", dass ich monatlich zwei bis dreimal einen Beitrag veröffentlichen müsse und auch dann frühestens nach einem Jahr mit ersten Rückmeldungen rechnen könne. Im August 2016 ging die Webseite www.organhaftung-schweiz.ch online. Wie befürchtet, bin ich seither nicht dazu gekommen, ausreichend Beiträge zu produzieren, selbst wenn auch Mitarbeiter mit freundlicher Aufforderung ab und zu einen Beitrag verfassten oder entwarfen. Immerhin habe ich im Schnitt einen bis zwei Beiträge pro Monat aufgeschaltet, wobei es teilweise zu mehrmonatigen Unterbrüchen gekommen ist.

Die Besucherzahlen auf der Webseite waren am Anfang recht bescheiden. Im Mai 2017 verzeichnete der Blog  erstmals über 200 Besucher pro Monat. Im Dezember 2017 waren es bereits über 500 Besucher pro Monat und ich fasste das Ziel, dies bis Ende 2018 zu verdoppeln. Doch dann setzte der Boost ein. Bereits im März 2018 war das Jahresziel erreicht und seither haben die Besucherzahlen stetig zugenommen. Aktuell sind es bereits 1500 Besucher pro Monat.

Im März 2018, mehr als eineinhalb Jahre nach der Aufschaltung der Webseite, kamen die ersten Anfragen. Interessanterweise bezogen sich diese auf einen Beitrag, den ich bereits im Oktober 2016 aufgeschaltet hatte. Seither kommen wöchentlich Anfragen. Es geht dabei noch meistens um einzelne Fragen, die ich unentgeltlich beantworte.

Interessanterweise führte der Blog nicht nur zu Anfragen von potenziellen Mandanten, sondern beispielsweise auch zu einer Anfrage von Radio SRF, welches letztlich zu einem kurzen Auftritt im Echo der Zeit geführt hat.

Bei steigender Anzahl von Besuchern ist es bloss eine Frage der Zeit, bis sich aus einzelne Anfragen eigentliche Mandate ergeben.

Zusammenfassend bin noch ich immer überzeugt, dass der eingeschlagene Weg zielführend ist. Meine Visibilität im Netz ist deutlich erhöht worden. Das Schreiben von Beiträgen ist ebenso effizient wie andere Marketingmassnahmen und gleichzeitig kann dabei auch noch das Know-how gepflegt werden. Schwierigkeiten machen mir aber immer noch die unterschiedlichen Schreibstile in einer juristischen Eingabe und einem Blog, aber auch das werde ich in den Griff bekommen.

Dr. Christoph D. Studer
Rechtsanwalt; LL.M.

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