Schweizer Firmen glauben nicht an eine geopolitische Entspannung, Dies Schadet sowohl den Firmen als auch ihren Mitarbeitern

25.06.26 17:33

Am 1. August 2025 überraschte Donald Trump die Schweiz mit einem speziellen Geburtstagsgeschenk: 39% Importzoll, mehr als für die EU und mehr als befürchtet. Ein Jahr später zeigt die Swiss Managers Survey, dass die geopolitische Unsicherheit in der Schweizer Wirtschaft angekommen ist. Der Glaube an eine schnelle Besserung ist verschwunden und Firmen treten auf die Kostenbremse. Während einzelne geopolitische Ereignisse, wie die monatelange Sperrung der Strasse von Hormuz, bis jetzt weniger starke Auswirkungen als erwartet hatten, schadet die konstante geopolitische Unsicherheit der Wirtschaft indirekt: Viele Schweizer Firmen haben im vergangenen Jahr ihre Investitionen zurückgefahren und keine neuen Stellen geschaffen. So kriechen die geopolitischen Verwerfungen in die Schweizer Haushaltseinkommen.

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Geopolitische Unsicherheit ist die neue Normalität
Die geopolitischen Verwerfungen sind in der Schweizer Wirtschaft angekommen. Nur noch 1 von 10 Firmen gibt an, davon nicht betroffen zu sein. Gerade die Industrie ist stark exponiert, jede dritte Firma meldet, dass ihr Geschäft stark beeinträchtigt sei. Während in der Vergangenheit geopolitische Risiken als ein vorübergehendes Ereignis angeschaut wurden, ist dieser Optimismus heute verschwunden: Keine 10% der Firmen glauben an eine baldige Verbesserung der Situation. Auch hier sind Industrieunternehmen pessimistischer als Dienstleister.

Während in der Öffentlichkeit Zölle als des grosse Thema im Zentrum der Diskussion standen, sind Manager viel mehr mit den Unsicherheiten in den Lieferketten beschäftigt: 30% der Firmen geben sie als grösstes Problem an. Aber auch Wechselkurs- und Finanzmarktvolatilität (17 %), sowie Cybersicherheit und Digitalinfrastrukturabhängigkeit (14 %) werden als wichtiger gesehen als Zölle (13%).

Arbeitsmarkt und Investitionen leiden deutlich
Während Firmen zuerst versuchen ihre Abhängigkeit zu reduzieren, indem ein breiteres Lieferantennetz aufgebaut und Klumpenrisiken im Absatz minimiert werden, treten Manager auch auf die Kostenbremse. Gravierend dabei ist, dass rund 28% der Firmen angeben, aufgrund geopolitischer Risiken, keine neuen Stellen geschaffen zu haben, weitere 18% überlegen sich solche Schritte. Damit ist die Geopolitik auch im Arbeitsmarkt angekommen.

Noch stärker wirkt die Kostenbremse auf die Investitionen. Über die Hälfte (52%) der Firmen gibt an, im vergangenen Jahr Investitionen zurückgestellt zu haben oder dies aktuell in Erwägung zu ziehen. Umgekehrt zeigt sich, dass verhältnismässig wenige Firmen nach neuen Absatzmärkten gesucht haben (15%). Damit zeigt sich ein Bild von Firmen, die eher erstarren als aktiv neue Opportunitäten zu suchen.

Geographische Neuausrichtung
Auch die geographische Ausrichtung der Geschäftstätigkeit bleibt von geopolitischen Verwerfungen nicht verschont. Der Trend aus dem letzten Jahr, dass die USA als Geschäftsregion negativer bewertet wird, setzt sich fort: 68% stimmen dem zu, wobei daraus 38% von einer deutlichen Verschlechterung berichten.

Europa wird als wichtiger Anker bestätigt und auch der Blick auf das China-Geschäft bleibt stabil. Wenig überraschend wird Indien als der grosse Aufsteiger gesehen, über 38% der Führungskräfte berichten von einer verbesserten Einstellung gegenüber der aufstrebenden Wirtschaftsmacht mit der die Schweiz seit Oktober 2025 von einem Freihandelsabkommen profitiert.

Vorsichtiger Lichtblick
Nach mehreren Jahren des konstanten Rückgangs zeigt der SMS-Geschäftsklimaindex 2026 leichte Anzeichen einer Erholung. Vor allem eine verbesserte Erwartung der Entwicklung in den kommenden Monaten hat zu dieser Verbesserung beigetragen. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Klima noch deutlich unter dem Spitzenjahr 2022 liegt.

Wichtigste Ergebnisse

  • Nur 1 von 10 Unternehmen gibt an, keinem geopolitischen Risiko ausgesetzt zu sein.

  • Lieferkettenstörungen sind laut 30% der Manager das grösste geopolitische Risiko

  • Handelsschranken und Zölle rangieren nur auf Platz vier, genannt von 13 %.

  • Als Reaktion setzten Unternehmen auf Risikominimierung und Kostenbremse:

    • 52% der Firmen haben bereits Investitionen gestoppt oder erwägen es.

    • 28 % haben Einstellungen in der Schweiz eingefroren, weitere 18% erwägen es.

    • Damit ist die Geopolitik in den Schweizer Haushalten angekommen.

  • Rund zwei Drittel der Führungskräfte beurteilen Geschäfte mit den USA weniger günstig als in der Vergangenheit.

  • Indien ist der stärkste Aufsteiger: 38 % berichten von einer positiveren Einstellung.

  • Der SMS-Geschäftsklimaindex hat sich von seinem Tiefstand 2025 etwas erholt, liegt aber noch unter dem Niveau von 2022.

Direkt verwendbare Zitate:
«Geopolitische Unsicherheit ist zur neuen Normalität der Firmen geworden. Sie haben akzeptiert, dass es sich dabei nicht um ein kurzzeitiges Gewitter, sondern um eine langfristige Wetterlage handelt. Die Unsicherheit wirkt wie ein Bremsklotz. Führungskräfte überlegen sich lieber zweimal, ob eine Anschaffung getätigt oder ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden soll.»
Prof. Dr. Florian Keller, International Management Institute, ZHAW School of Management and Law

«Die Abkühlung am Stellenmarkt wird meist der KI zugeschrieben – übersehen wird, dass auch die geopolitische Unsicherheit direkt auf Beschäftigung und Investitionen durchschlägt.»
Dr. Siyana Gurova International Management Institute, ZHAW School of Management and Law

«Während in der öffentlichen Diskussion die Zölle im Vordergrund standen, haben vor allem die Lieferketten den Managern Kopfzerbrechen bereitet. Die Anstrengungen weniger von einzelnen Lieferanten abhängig zu sein, genieren vor allem Kosten ohne Effizienzgewinne.»
Dr. Benedikt Zoller-Rydzek International Management Institute, ZHAW School of Management and Law

>>>>Link zu den detaillierten Ergebnissen der Studie

Die Swiss Managers Survey ist eine jährliche Befragung Schweizer Unternehmensführungen, durchgeführt von der ZHAW School of Management and Law, Institute for International Management, in Zusammenarbeit mit der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI), der Haute Ecole Arc (HE-Arc). Netzwerkpartner:innen des Projekts sind die Zürcher Handelskammer (ZHK), die Waadtländische Industrie- und Handelskammer (CVCI), die Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur (HAW) und die Handelskammer Schweiz – Mitteleuropa (SEC). Die Ausgabe 2026 konzentriert sich auf geopolitische Risiken, strategische Massnahmen, regionale Geschäftseinstellungen und die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen. Die Befragung fand vom 18. Mai bis 5. Juni 2026 statt und umfasst 332 Antworten von Führungskräften aus Unternehmen aller Sprachregionen, Branchen und Unternehmensklassen – 67 % davon aus dem oberen Management oder Verwaltungsräten.

Kontakt
Prof. Dr. Florian Keller, Head Center for Geopolitics and Competitiveness,
ZHAW School of Management and Law, Telefon +41 79 592 37 16
E-Mail florian.keller@zhaw.ch

ZHAW

von ZHAW

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