Die Unternehmen ziehen den Karren

01.07.26 09:45

Die Finanzperspektiven des Bundes haben sich in der vergangenen Woche spürbar aufgehellt. Wo zuvor noch düstere Prognosen die budgetäre Zukunft unseres Landes überschatteten, zeichnet sich eine unerwartete Entlastung ab: Die Einnahmen des Bundes konnten um stattliche zwei Milliarden Franken nach oben korrigiert werden.
Dieses finanzpolitische Aufatmen kommt nicht von ungefähr. Es ist das direkte Resultat einer leistungsstarken Wirtschaft und kräftig sprudelnder Gewinnsteuern grosser Unternehmen. Zusammen mit dem verabschiedeten Entlastungspaket 27, das den Bundeshaushalt um bis zu zwei Milliarden Franken entlastet, steht der Staat finanziell wieder auf deutlich soliderem Boden.

StandpunktQuelle: economiesuisse 

Die jüngsten Entwicklungen führen eindrücklich vor Augen, dass der Beitrag der Unternehmen an die Bundeskasse und damit an die Leistungen des Staates immer wichtiger wird. Doch so unübersehbar diese Milliardenbeträge in den Bilanzen des Bundes auch sind: Das Bewusstsein für die fundamentale Rolle, welche die Unternehmen bei der Finanzierung unseres Gemeinwesens und unserer Sozialwerke spielen, ist in der Öffentlichkeit und weiten Teilen der Politik erschreckend wenig ausgebildet.

Der Unternehmer als räudiger Wolf …
Wohlstand wird allzu oft als selbstverständlich vorausgesetzt. Diese paradoxe Haltung erinnert an ein zeitloses Zitat von Winston Churchill: 

«Manche halten den Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse; andere meinen, er sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne; nur wenige sehen in ihm ein Pferd, das den Karren zieht.»

Das Bild spiegelt leider die aktuelle Schweizer Polit-Debatte nur allzu gut. Viele Akteure sehen in der Wirtschaft primär den Wolf, den man mit immer neuen Vorschriften bändigen oder gar totschlagen muss. Das aktuelle Paradebeispiel hierfür ist das vorgeschlagene Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) – der Gegenvorschlag zur neuen Konzernverantwortungsinitiative. Es droht ein regulatorischer Hochrisiko-Cocktail, der Schweizer Firmen im internationalen Vergleich massiv benachteiligen und bürokratisch fesseln würde.

… oder als Milchkuh
Andere wiederum betrachten die Wirtschaft als Milchkuh, die man ununterbrochen melken kann. Der Staat soll liefern, ausbauen und soziale Wohltaten verteilen. Die Devise lautet dabei viel zu oft: Finanzieren sollen es die anderen, vor allem die Unternehmen. Dabei wird die ökonomische Realität ausgeblendet: Eine Kuh, die man übermässig melkt und schlecht pflegt, gibt irgendwann keine Milch mehr.

«Nur wenige sehen in ihm ein Pferd, das den Karren zieht»
Entscheidend bleibt die Frage, woher der Wohlstand unseres Landes eigentlich kommt. Und die Antwort ist klar: Die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden sind das sprichwörtliche Pferd. Sie ziehen den Karren. Sie generieren Wertschöpfung. Sie zahlen mit den Gewinnsteuern und den Einkommenssteuern einen ganz wesentlichen Teil des Staates.

Damit der Karren auch in Zukunft nicht (im Dreck) stecken bleibt, braucht es optimale Rahmenbedingungen. Die Standortqualität der Schweiz muss laufend gepflegt und verbessert werden. Nur so sichern wir die Basis für einen verlässlichen Staat und eine prosperierende Gesellschaft.  

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Christoph Mäder
Präsident economiesuisse
 

Standpunkt vom 17.06.2026

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